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Zeichnung ballonieren: Anleitung, Regeln und Fehlerquellen

Ballonieren – oder Zeichnungsstempelung – ist der erste Schritt jedes Erstmusterprüfberichts und der, bei dem die meisten Fehler entstehen. Was einen Ballon bekommt, in welcher Reihenfolge, und welche Merkmale fast jeder vergisst.

Stand: · irot Erstmuster

Was Ballonieren ist

Jedes prüfpflichtige Merkmal der Zeichnung bekommt eine Nummer in einem Kreis, dem Ballon. So entsteht eine eindeutige Zuordnung: Nummer 17 auf der Zeichnung ist Zeile 17 im Maßbericht. Andere Namen dafür sind Zeichnungsstempelung, Bemaßungsnummerierung, auf Englisch ballooning oder bubbling.

Die gestempelte Zeichnung gehört zum Erstmusterprüfbericht dazu. Das PPAP-Handbuch verlangt sie ausdrücklich; im Umfeld von VDA Band 2 erwarten sie die Kunden genauso. Sie wird meist als PDF mitgeschickt und muss die Revision der Zeichnung sichtbar tragen.

Die Regeln der Nummerierung

  1. Fortlaufend und eindeutig. Jede Nummer kommt einmal vor, keine wird übersprungen. Eine Lücke in der Nummerierung wirft beim Kunden sofort die Frage auf, was fehlt.
  2. In einer festen Reihenfolge. Üblich ist von oben links nach unten rechts, Ansicht für Ansicht. Manche Kunden verlangen eine andere Ordnung, etwa nach Merkmalsart – dann gilt die.
  3. Mehrfachmerkmale nach Kundenvorgabe. »4× M6« bekommt entweder einen Ballon mit der Anzahl 4 – oder vier Unterpositionen 12.1 bis 12.4, wenn der Kunde jede Bohrung einzeln gemessen sehen will.
  4. Auch Hinweise sind Merkmale. »Alle Kanten entgratet«, eine Wärmebehandlung, eine Beschichtung, eine Kennzeichnung, eine Sauberkeitsforderung: all das wird geprüft und bekommt einen Ballon.
  5. Maße ohne Toleranz sind nicht frei. Für sie gilt die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld, etwa nach ISO 2768. Sie bekommen einen Ballon und werden gemessen.
  6. Nicht jedes Maß wird gemessen. Ein theoretisch genaues Maß im Rahmen ist der Bezug einer Positionstoleranz und für sich allein nicht prüfbar. Ein Hilfsmaß in Klammern ist nur zur Information da.

Was einen Ballon bekommt

Auf der ZeichnungBeispielWas in den Bericht gehört
Maß mit Toleranz25 ±0,1 · 25 +0,2/−0,1Nennmaß, oberes und unteres Abmaß
Grenzmaße24,9 / 25,1umgerechnet in Nennmaß und Abmaße
PassungØ20 H7 · Ø20 h6Abmaße nach ISO 286, abhängig vom Durchmesser – Ø20 H7 ist +0,021 / 0
Maß ohne ToleranzØ12Allgemeintoleranz nach Schriftfeld
Winkel45° ±0,5°in Grad
RauheitRa 1,6 · Rz 6,3Kenngröße, Grenzwert, Fläche
GewindeM8 · M8×1-6HPrüfung mit Gut- und Ausschusslehre, Ergebnis i.O./n.i.O.
Fase, Kante1×45° · entgratetmeist attributiv
Form- und Lagetoleranz⌖ Ø0,05 A BSymbol, Wert, Modifikatoren, Bezüge
Behandlungeinsatzgehärtet HRC 58–62Messwert und Nachweis des Härters
Allgemeiner HinweisTeile ölfrei liefernattributiv

Das Schriftfeld selbst bekommt keinen Ballon, ist aber das Wichtigste auf dem Blatt: Teilenummer, Benennung, Index, Werkstoff und Allgemeintoleranz. Ein falsch gelesener Index gehört zu den häufigsten Gründen, aus denen ein Bericht zurückkommt.

Besondere Merkmale

Merkmale, deren Abweichung Sicherheit, gesetzliche Vorgaben oder Funktion und Montage berührt, sind auf der Zeichnung gekennzeichnet. Jeder Hersteller nutzt dafür eigene Zeichen, erklärt in seiner Werknorm und in der Legende der Zeichnung – Beispiele sind »D« und »D/TLD« bei Volkswagen, ein Dreieck, ◆ oder ▽, im AIAG-Umfeld (SC) und (CC).

Für diese Merkmale gelten mehr Pflichten: Fähigkeitsnachweis, Eintrag im Produktionslenkungsplan, oft verlängerte Aufbewahrung. Zu wenig zu kennzeichnen führt zur Rückweisung; zu viel kostet Messaufwand, den niemand bezahlt. Deshalb sollte jedes besondere Merkmal einzeln bestätigt werden – nicht in einem Rutsch.

Die typischen Fehler

  • Vergessene Merkmale – besonders in Detailansichten und Schnitten, bei Hinweisen im Text und bei Maßen ohne Toleranz. Die Zeichnung hat 87 Maße, der Bericht 71.
  • Tippfehler beim Übertragen: aus ±0,05 wird ±0,5, ein Minus geht verloren.
  • Passungen nicht aufgelöst oder mit dem falschen Durchmesserbereich nachgeschlagen.
  • Gewinde, Rauheiten, Fasen und Hinweise fehlen, weil nur Zahlen gestempelt wurden.
  • Falsche Revision: gestempelt wurde das PDF vom letzten Jahr.

Vor dem Versand prüfen

  • Zahl der Ballons = Zahl der Zeilen im Maßbericht.
  • Keine Lücke und keine doppelte Nummer.
  • Index auf der gestempelten Zeichnung = Index im Auftrag = Index auf dem Deckblatt.
  • Jeder Hinweis im Text und jedes Maß ohne Toleranz hat einen Ballon.
  • Besondere Merkmale sind im Bericht als solche gekennzeichnet.

Von Hand oder mit Programm

Von Hand heißt das: PDF öffnen, Ballon für Ballon setzen, jedes Maß in eine Tabelle tippen. Bei einem Drehteil mit 40 bis 120 Merkmalen ist das eine Arbeit von Stunden, nicht von Minuten – und jede Stunde Abschreiben ist eine Gelegenheit für einen Tippfehler.

irot Erstmuster liest die Zeichnung, setzt die Ballons als Ebene über das PDF und rechnet Passungen und Allgemeintoleranzen aus. Sie gehen die Merkmale im Zeichnungsprüfer durch; was das Programm übersehen hat, fügen Sie mit der Taste N hinzu. Eine Vollständigkeitsprüfung meldet jeden maßähnlichen Text, der keinem Merkmal zugeordnet ist.

Quellen und Stand

  • Production part approval process, Wikipedia (englisch), abgerufen 11.09.2026: Forderung nach einer ballonierten Zeichnung, passend zu den Prüfergebnissen.
  • ISO 286-1 (Passungen) und ISO 2768-1 (Allgemeintoleranzen): Werte wie im Regelwerk von irot Erstmuster, geprüft gegen die Normtabellen.
  • Regeln der Nummerierung und typische Fehler: Werkstattpraxis in Zulieferbetrieben der Zerspanung, Stand September 2026.

Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Wir geben ihren Inhalt sinngemäß wieder; maßgeblich sind die Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.