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PPAP Level 1 bis 5: was jede Stufe wirklich verlangt

Level 1 bis 5 sagen nicht, ob Sie Nachweise brauchen, sondern wohin sie gehen: eingereicht oder bereitgehalten. Was das für jede Stufe bedeutet – und warum Level 3 der Regelfall ist.

Stand: · irot Erstmuster

Der Grundgedanke: einreichen oder bereithalten

Ein verbreitetes Missverständnis: bei Level 1 müsse man weniger arbeiten. Das stimmt nicht. Die Nachweise für Ihr Teil müssen in jedem Fall existieren, aktuell sein und bei Ihnen liegen. Das Level regelt nur, was davon mit dem Paket zum Kunden geht.

»Bereithalten« ist dabei keine höfliche Empfehlung: Der Kunde darf die Unterlagen jederzeit anfordern, und im Audit wird danach gefragt. »Haben wir nicht« gilt als Abweichung – auch bei Level 1.

Die fünf Stufen einzeln

Level 1 – nur das Deckblatt (PSW)

Einfache Teile, kleine Änderungen, Lieferanten mit langer Historie.

Level 2 – PSW, Musterteile und ausgewählte Nachweise

Welche Nachweise das sind, legt der Kunde fest – meist Zeichnung, Maßprüfbericht und Werkstoffnachweis.

Level 3 – PSW, Musterteile und alle Nachweise

Der Regelfall der Branche. Wenn in der Bestellung nichts steht, ist Level 3 gemeint.

Level 4 – PSW und was der Kunde im Einzelnen festlegt

Der Umfang steht in der Anforderungsmatrix des Kunden, nicht im Handbuch.

Level 5 – PSW; alle Nachweise liegen beim Lieferanten zur Einsicht bereit

Nichts wird geschickt – der Kunde prüft vor Ort. Vollständigkeit ist trotzdem Pflicht.

Warum Level 3 der Regelfall ist

Level 3 ist die Voreinstellung der Branche: Deckblatt, Musterteile und die vollständigen Nachweise gehen mit. Steht in der Bestellung kein Level, meint der Kunde fast immer Level 3 – fragen Sie trotzdem schriftlich nach, bevor Sie messen. Die Antwort kostet eine E-Mail; ein zweiter Versand kostet Tage.

Level 5 ist keine Erleichterung, sondern eine Verschärfung: Sie schicken fast nichts, aber ein Auditor des Kunden kommt ins Haus und sieht alles. Level 4 ist der Sonderfall – dort entscheidet allein die Anforderungsmatrix des Kunden, und die kann für ein einzelnes Merkmal mehr verlangen als Level 3.

Ihren Umfang ausrechnen

Welche der 18 Elemente bei Ihrem Teil überhaupt zutreffen, hängt nicht nur am Level: Eine Konstruktions-FMEA entfällt, wenn Sie nach Kundenzeichnung fertigen; eine Aussehensfreigabe gibt es beim Drehteil praktisch nie; Prüfhilfsmittel nur, wenn Sie welche gebaut haben.

Der PPAP-Umfangsplaner nimmt Ihnen das ab: Level anklicken, drei Fragen beantworten, Liste als CSV herunterladen. Ohne Anmeldung, ohne Hochladen – gerechnet wird in Ihrem Browser.

Und die Vorlagestufen nach VDA Band 2?

Im deutschen Verfahren heißt dasselbe Prinzip Vorlagestufe. Die Zahlen bedeuten aber etwas anderes als die PPAP-Levels, und manche Kunden führen eine eigene Skala. Übersetzen Sie niemals stillschweigend »Level 3« in »Vorlagestufe 3«: maßgeblich ist die Matrix Ihres Kunden. Mehr dazu in VDA 2 oder PPAP?

Was bei der Stufe schiefgeht

  • Level aus dem letzten Projekt übernommen. Derselbe Kunde, anderes Werk – oft eine andere Matrix.
  • Bei Level 1 nichts aufgehoben. Ein Jahr später fragt der Kunde nach dem Prozessablaufdiagramm, und niemand hat eines geschrieben.
  • Entfallene Elemente leer gelassen. Schreiben Sie »entfällt« mit Grund ins Deckblatt. Ein leeres Feld führt öfter zur Rückfrage als eine klare Begründung.

Quellen und Stand

  • Production part approval process, Wikipedia (englisch), abgerufen 11.09.2026: die fünf Submission Levels und ihr Umfang.
  • Eigene Recherche zur Praxis in deutschen Zulieferbetrieben (Stand September 2026): dass Level 3 als Voreinstellung gilt und welche Fehler häufig auftreten, beschreibt die übliche Praxis – es ist keine Normaussage.

Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Wir geben ihren Inhalt sinngemäß wieder; maßgeblich sind die Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.