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Was ist PPAP? Bedeutung, Ablauf und die 18 Elemente
PPAP steht für Production Part Approval Process, das Freigabeverfahren der Automobilindustrie. Was die Abkürzung bedeutet, wer sie verlangt, was in so einem Paket steckt – und wie es zum deutschen Erstmusterprüfbericht passt.
Die Bedeutung in zwei Sätzen
PPAP ist das Verfahren, mit dem ein Zulieferer der Automobilindustrie zwei Dinge schriftlich nachweist: dass sein Teil der Zeichnung und der Spezifikation entspricht, und dass der Prozess, der es herstellt, dieses Teil unter Serienbedingungen wiederholbar liefert. Erst wenn der Kunde dieses Paket freigibt, darf in Serie geliefert werden.
Ausgeschrieben heißt es Production Part Approval Process; im Deutschen spricht man vom Produktionsteil-Freigabeverfahren. Herausgeber ist die AIAG, der amerikanische Verband der Automobilindustrie. Fünf sorgfältig von Hand gefertigte Teile beweisen den zweiten Punkt ausdrücklich nicht – deshalb gehören Prozessunterlagen mit ins Paket.
Wer PPAP verlangt – und wer PPF
Die Pflicht steht in keinem Gesetz. Sie kommt aus dem Vertrag und aus der IATF 16949: die Norm verlangt ein Freigabeverfahren für Produkt und Prozess und verweist dafür auf die Vorgaben des Kunden. Wer Automobilzulieferer ist, braucht die Zertifizierung – und damit das Verfahren.
- PPAP verlangen die amerikanischen Hersteller und ihre Lieferketten, verbreitet auch Kunden in Asien und international aufgestellte Zulieferer.
- PPF nach VDA Band 2 – Produktionsprozess- und Produktfreigabe – verlangen die deutschen Hersteller und ihre großen Zulieferer. Gleiches Ziel, anderer Zuschnitt.
Maßgeblich ist immer, was in der Bestellung und in den kundenspezifischen Anforderungen steht. Der ausführliche Vergleich steht im Artikel VDA 2 oder PPAP?
PPAP, EMPB, PSW: was ist was?
| Begriff | Was damit gemeint ist |
|---|---|
| PPAP | das ganze Freigabepaket aus bis zu 18 Elementen |
| EMPB | der Erstmusterprüfbericht: die Tabelle aller Merkmale mit Messwerten. Im PPAP ist das Element 9, Dimensional Results. In der Werkstatt heißt trotzdem oft das ganze Paket so. |
| PSW | Part Submission Warrant: das Deckblatt, das zusammenfasst, was vorgelegt wird, aus welchem Anlass und in welcher Stufe |
| Ballonierte Zeichnung | die Kundenzeichnung, auf der jedes Maß eine Nummer trägt – die Nummern des Maßprüfberichts |
Der Ablauf, wie er im Betrieb aussieht
- Anlass klären. Neues Teil, Zeichnungsänderung, neuer Prozess, neuer Standort, Werkzeugumzug, Requalifikation – der Anlass steht später im Deckblatt.
- Level abfragen. Welches Level und welche kundenspezifischen Anforderungen gelten? Steht nichts da, ist Level 3 gemeint.
- Zeichnung ballonieren. Jedes Merkmal bekommt seine Nummer – diese Nummern tragen den ganzen Bericht. Siehe Zeichnung ballonieren.
- Serienlauf fahren. Mit Seriewerkzeug, Serienprozess, Serienmitarbeitern – sonst ist die Aussage wertlos. Mindestens sechs Teile für den Maßbericht.
- Messen und auswerten. Jedes Merkmal an jedem Teil, mit geeignetem Prüfmittel und gültiger Kalibrierung.
- Unterlagen zusammenstellen nach Level: was eingereicht wird, was bereitliegt. Dafür ist der PPAP-Umfangsplaner da.
- Einreichen und nachhalten – im Kundenportal oder als Satz, dann auf Freigabe warten oder die Beanstandung abarbeiten.
Die 18 Elemente im Überblick
Welche davon Sie tatsächlich vorlegen, bestimmt das Level und die Anforderungsmatrix Ihres Kunden. Bereithalten müssen Sie in der Regel alle, die für Ihr Teil zutreffen.
| Nr. | Element | Worum es geht |
|---|---|---|
| 1 | Zeichnung, Konstruktionsunterlagen Design Records | die gültige Zeichnung des Kunden in der richtigen Revision, gestempelt: jedes Maß mit Nummer |
| 2 | Änderungsnachweise Authorized Engineering Change Documents | die technischen Änderungsmitteilungen, die für diese Revision gelten |
| 3 | Konstruktionsfreigabe Engineering Approval | Freigabe durch die Entwicklung des Kunden, manchmal nach Versuchen mit Serienteilen in seinem Werk |
| 4 | Konstruktions-FMEA DFMEA | Fehlermöglichkeiten des Entwurfs – nur, wenn der Lieferant für die Konstruktion verantwortlich ist |
| 5 | Prozessablaufdiagramm Process Flow Diagram | alle Fertigungsschritte in ihrer Reihenfolge, vom Rohmaterial bis zur Verpackung |
| 6 | Prozess-FMEA PFMEA | was in jedem Prozessschritt schiefgehen kann und was dagegen getan wird |
| 7 | Produktionslenkungsplan Control Plan | je Merkmal: was gemessen wird, womit, wie oft, von wem und was bei Abweichung geschieht |
| 8 | Messsystemanalyse MSA Studies | Nachweis, dass die Streuung des Messsystems klein gegenüber der Toleranz ist (Gage R&R) |
| 9 | Maßprüfbericht Dimensional Results | alle Merkmale mit Nennmaß, Toleranz, Messwerten und Urteil – der Erstmusterprüfbericht im engeren Sinn |
| 10 | Werkstoff- und Funktionsprüfungen Material / Performance Test Results | Werkstoffnachweis mit Zusammensetzung und Festigkeit, dazu Prüfungen wie Härte, Drehmoment, Dichtheit, Korrosion |
| 11 | Vorläufige Prozessfähigkeit Initial Process Studies | statistische Untersuchung der besonderen Merkmale, zuerst Pp/Ppk, später Cp/Cpk |
| 12 | Qualifikation des Prüflabors Qualified Laboratory Documentation | Nachweis, dass das Labor akkreditiert (ISO/IEC 17025) oder vom Kunden anerkannt ist |
| 13 | Freigabe des Aussehens Appearance Approval Report | nur bei Anforderungen an Farbe, Glanz, Oberfläche – bei Drehteilen fast nie |
| 14 | Musterteile Sample Production Parts | die physischen Teile, gekennzeichnet und dem Bericht zuzuordnen |
| 15 | Referenzmuster Master Sample | ein von beiden Seiten gezeichnetes Teil, das als Vergleich aufbewahrt wird |
| 16 | Prüfhilfsmittel Checking Aids | eigens gebaute Lehren und Vorrichtungen, mit Fotos und Kalibriernachweis |
| 17 | Kundenspezifische Anforderungen Customer-Specific Requirements | alles, was der Kunde zusätzlich festlegt: Portale, Formate, Materialdaten, Werknormen |
| 18 | Deckblatt Part Submission Warrant (PSW) | die Zusammenfassung: was vorgelegt wird, aus welchem Anlass, in welcher Stufe, mit Unterschrift |
Zum Abhaken und Ausdrucken gibt es dieselbe Liste als PPAP-Checkliste.
Die fünf Levels
| Level | Vorzulegen |
|---|---|
| 1 | nur das Deckblatt (PSW) Einfache Teile, kleine Änderungen, Lieferanten mit langer Historie. |
| 2 | PSW, Musterteile und ausgewählte Nachweise Welche Nachweise das sind, legt der Kunde fest – meist Zeichnung, Maßprüfbericht und Werkstoffnachweis. |
| 3 | PSW, Musterteile und alle Nachweise Der Regelfall der Branche. Wenn in der Bestellung nichts steht, ist Level 3 gemeint. |
| 4 | PSW und was der Kunde im Einzelnen festlegt Der Umfang steht in der Anforderungsmatrix des Kunden, nicht im Handbuch. |
| 5 | PSW; alle Nachweise liegen beim Lieferanten zur Einsicht bereit Nichts wird geschickt – der Kunde prüft vor Ort. Vollständigkeit ist trotzdem Pflicht. |
Stufe für Stufe erklärt: PPAP Level 1 bis 5.
Was deutsche Kunden zusätzlich verlangen
Nicht Teil der 18, in der Praxis aber regelmäßig gefordert:
- IMDS – die Materialdatenmeldung im International Material Data System; ohne angenommenen Eintrag gibt die Automobilindustrie in der Regel nicht frei
- Werkstoffzeugnis nach EN 10204 – welcher Zeugnistyp, etwa 3.1, steht in der Bestellung; die Chargennummer muss zu den Musterteilen passen
- Verpackungsfreigabe – Behälter, Füllmenge und Etikett, vom Kunden freigegeben
- Technische Sauberkeit – nach VDA 19 bzw. ISO 16232, etwa bei Hydraulik- und Einspritzteilen
- Kalibriernachweise – für alle Prüfmittel, die im Bericht vorkommen
- Stoffdeklarationen – RoHS, REACH und Konfliktmineralien
- Requalifikation – die Wiederholprüfung aller Merkmale während der Serie, oft jährlich
Häufige Fragen
- Was bedeutet PPAP?
- PPAP steht für Production Part Approval Process, auf Deutsch Produktionsteil-Freigabeverfahren. Es ist das Verfahren, mit dem ein Zulieferer der Automobilindustrie nachweist, dass sein Teil der Zeichnung entspricht und sein Serienprozess das Teil wiederholbar herstellt. Herausgeber ist die AIAG.
- Was ist der Unterschied zwischen PPAP und EMPB?
- Der Erstmusterprüfbericht (EMPB) ist der Maßbericht der ersten Teile – im PPAP das Element 9, Dimensional Results. PPAP ist das ganze Paket aus bis zu 18 Elementen. Im deutschen Sprachraum heißt trotzdem oft das ganze Paket »EMPB«.
- Ist PPAP gesetzlich vorgeschrieben?
- Nein. Die Pflicht kommt aus dem Vertrag und aus der IATF 16949: die Norm verlangt ein Freigabeverfahren für Produkt und Prozess und verweist auf die Vorgaben des Kunden.
- Welches PPAP-Level gilt, wenn nichts vereinbart ist?
- In der Praxis Level 3: Deckblatt, Musterteile und die vollständigen Nachweise. Maßgeblich ist immer die Anforderungsmatrix Ihres Kunden.
- Wie viele Teile muss ich messen?
- Für den Maßprüfbericht sind in der Regel mindestens sechs Teile aus einem Serienlauf vorgeschrieben. Für eine Fähigkeitsaussage (Ppk) brauchen Sie deutlich mehr.
Quellen und Stand
- Production part approval process, Wikipedia (englisch), abgerufen 11.09.2026: 18 Elemente, fünf Levels, Mindestzahl von sechs Teilen, ballonierte Zeichnung.
- IATF 16949: Freigabeverfahren für Produkt und Prozess nach Kundenvorgabe – sinngemäß.
- Eigene Recherche zur Praxis in deutschen Zulieferbetrieben (Stand September 2026); die Zuordnung zu Kundengruppen beschreibt die übliche Praxis, sie ist keine Normaussage.
Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Wir geben ihren Inhalt sinngemäß wieder; maßgeblich sind die Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.